Neue Wege, kleine Schritte

Das Leben als Eltern ist, wie das Leben an sich. Nur schöner und schlimmer. Je nach Tageszeit, Gesundheitszustand und geistiger Haltung der Beteiligten.

Wenn sich nun ein neues Jahr vor einem ausbreitet, stellt sich doch auch wieder einmal die Frage, wie man es nun anpackt, das Leben. Die einen fassen hochambitionierte -meist gesunde- Neujahrsvorsätze, während die anderen sich mit einem zwischen Zufriedenheit und Resignation rangierenden „passt scho“ dem Zauber des Neuanfangs gleich ganz verweigern.

Ich bin so dazwischen. „Passt scho“, finde ich zwar tödlich, aber ich kenne mich mittlerweile selber auch gut genug, als dass ich weiß, dass ich mit den ganz großen Plänen gerne auch schon am 2. Januar scheitere. Aber was bleibt dann? Das was ich -gerade im Leben mit Kindern- für den einzig gangbaren Weg halte. Die Politik der kleinen Schritte. Das Fernziel mag meinetwegen tatsächlich im „Think Big“-Bereich liegen, aber ich bin kein Mensch, der von heut auf morgen sein Leben ändert. Es gibt zwar Bereiche, wo mir persönlich auch große Veränderungen sehr leicht fallen, aber andere Vorsätze sind dafür regelmäßig zum Scheitern verurteilt.

Neben der ehrlichen Antwort auf die Frage, ob es den „Kampf“ überhaupt wert ist, gibt auch die Erkenntnis, dass ich nur ein bestimmtes Maß an Baustellen managen kann, einen gewissen Rahmen vor. Alles ist möglich, aber nicht alles zu gleichen Zeit. Diese Tage sind dafür gemacht das Leben auf den Prüfstand zu stellen und sich vom trügerischen „Ich muss“ zu verabschieden. Ich muss eigentlich nur Atmen, alles andere will ich. Wenn wir auch manchmal dazu neigen, die Gründe unseres Wollens zu verdrängen. Wenn mir aber mal klar ist, was ich will im neuen Jahr, was mir wichtig ist, wo die Reise hingehen soll, dann lasse ich dieses Ziel wieder los und konzentriere mich auf den ersten kleinen Schritt, weil ich sonst Gefahr laufe, dass mich Angesichts des riesigen Berges vor mir der Mut verlässt. Dass ich denke, „ach so toll ist der Vorsatz doch nicht, kann ich auch erst übermorgen anfangen“ usw. All das, was eben mein Schweinehund so von sich gibt, wenn er keinen Bock hat und den hat er ja bekanntlich selten.

Was aber bei mir gut funktioniert, ist ganz konsequent unter dem Schweinehundradar zu fliegen. Ich räume z.B. jeden Tag eine Schublade auf. Völlig unmotiviert suche ich mir an manchen Tagen „einfache“ Schubladen (oder Regalfächer, Taschen, uvm.) aus. Oft mache ich aber mehr als ich müsste wollte. Die Überwindung ist minimal. Gleich vorbei und dann „Fleißsternchen“ auf die Schulter kleben. „An apple a day“ scheint nicht großartig, zugegeben, aber für viele wäre das ein Schritt in die richtige Richtung, statt sich 5 mal die Woche Sport&Salat vorzunehmen und 5 mal die Woche daran zu scheitern. Klar mit so kleinen Mäuseschritten dauert es vielleicht länger ans Ziel, aber beinahe jedes Ziel ist machbar und zwar auch für den, der nicht mit einer großen Portion Disziplin auf die Welt gekommen ist (oder seine Menge an Tagesdisziplin regelmäßig mit seinen Kindern verpulvert).

Manchmal scheitert man mit seinen neuen kleinen Gewohnheiten noch am „Drandenken“. Da helfen post its, Handyalarm oder die Verknüpfung mit Dingen, die man ohnehin regelmäßig tut. (Squats während dem Zähneputzen, Atemübungen während man auf’s Teewasser wartet usw.). Manch einer sucht sich vielleicht auch einen Trainingspartner.

Und dann muss man nur noch Geduld haben. Mehr als ein bis zwei Dinge sollte man sich nicht pro Monat vornehmen. Mehr als 5 Minuten sollte es nicht dauern. Aber kleine Dinge können eine große Wirkung entfalten, können demjenigen, der an eigenen Vorsätzen schon oft gescheitert ist, auch den Glauben an sich selbst zurückgeben. Wir Menschen sind träge, wir ändern uns nicht so schnell. Aber wir können Dinge ändern. Auch mit Kindern enden geplante Radikalkuren entweder im Abgrund oder versanden alsbald, weil man den Kampf nicht auf Dauer durchhält.

Aber ein Ziel für das Familienleben 2015 finden und dann, mehr mit Blick auf sich selbst denn auf die Kinder, kleine Schritte Tag für Tag darauf zu machen, das geht. Das überfordert niemand. Das gibt Kindern Orientierung und Vorbild und dann zuckeln sie schon hinterher…in Mäuseschritten…

Wenn es dann irgendwie trotzdem nicht geklappt hat, mit der Veränderung, dann gönnt Euch eine Pause, ruht Euch aus, kümmert Euch gut um Euch selbst, damit er wachsen kann, der Impuls „es wieder anzugehen“. Und dann versuchen wir es wieder auf einem neuen Weg, mit kleinen Schritten. So geht das nämlich, das Leben als Eltern.

 

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