Das geht uns alle an…eine Liebeserklärung an die Hebamme

Mir ist klar, dass man bei unserem schwächelnden Gesundheitssystem auch irgendwo anfangen muss zu sparen. Aber bei den Hebammen, beim Beginn eines Menschenlebens ist sicher der falsche Platz. Ich dachte ja bisher, „mehr Geburten“ wäre ein erstrebtes politisches Ziel. Dass so manches Geburtstrauma das zweite und dritte Kind verhindert, ist dem Bundesgesundheitsminister Gröhe vielleicht noch nicht klar. Dann klären wir ihn doch mal auf.

Ich habe zwar noch eher moderat meinen persönlichen Vergleich zwischen Hausgeburt und Klinikgeburt gezogen und noch heute will ich sicher nicht behaupten die Hausgeburt wäre das einzig Wahre, wenn sie das auch für mich war. Weder jedes Kind, noch jedes Paar und wohl auch nicht jede Hebamme ist für die Hausgeburt gemacht. Was mich dazu getrieben hat, war vor allem die wenig selbstbestimmte Situation in der Klinik. In der Steiermark gibt es leider kein Beleghebammensystem. Das heißt, man muss die Hebamme nehmen, die gerade da ist. Ich halte das für grundsätzlich schlecht. Deshalb jetzt mal ganz deutlich, Herr Gröhe: Keine Geburt ohne eigene Hebamme! Eine Geburt ist eben nicht nur wunderbar, sondern für viele Frauen auch eine der schlimmsten Extremsituationen, in die sie in Ihrem Leben geraten. Klar die Erinnerung daran verblasst bald ( ich muss mich wirklich anstrengen, mich daran zu erinnern). Aber eine Geburt ist eine Expedition in ein Land, in dem man noch nie war. Es kann Momente geben, in denen man nur noch weg will, oder sterben, jedenfalls kein Kind. In denen man von allen verlassen ist, auf sich gestellt und glaubt, es nicht zu schaffen. Nachdem ich allen Nichtmüttern jetzt gebührend Angst gemacht habe, tada… da ist sie, Eure Rettung: Die Hebamme. Sie ist die, die Euch hineinführt und auch wieder heraus, die Euch das Vertrauen schenkt, dass Ihr das schaffen könnt. Und wenn Ihr Eure Expedition zum Nordpol startet, wollt Ihr dann Eure Gefährten vorher auswählen, oder nehmen, was gerade um die Ecke biegt, wenn’s losgeht?

Meine Hebamme bei der ersten Geburt war sicher auch ganz wunderbar…..für irgendeine andere Frau. Für mich war sie das nicht. Wie sollte sie auch. Sie kannte mich ja gar nicht. Wusste nicht, was sie an Kraft, Wissen und Persönlichkeit voraussetzten konnte. Klar irgendwie kam das Kind dann schon auf die Welt und ich habe sicher kein Trauma davongetragen, aber es war sch…..lecht. Das wollte ich nie wieder.

Gott sei dank war von vorne herein eine ambulante Geburt geplant und wir gingen nach 5 Stunden nach Hause und ich musste mir nichts mehr von Fremden sagen lassen, deren Kompetenz ich insgeheim (und ungerechterweise) anzweifelte. Dann am nächsten Tag kam meine Hebamme. Eine Frau, die für diesen Beruf lebt und das auch ausstrahlt. Eine, die immer genug Zeit für uns hatte und erst ging, wenn alles gut war. Eine, der ich alles sagen konnte und die Antworten auf meine Fragen hatte. Antworten, die nicht immer nur aus ihrem Wissen, sondern auch aus ihrem Herzen gespeist waren. Die, mit der ich ein gutes Jahr später ein zweites Kind bekam und die dafür am heilig Abend spät nach Hause gekommen ist.

Haben wir keine Hebammen mehr, weil sich ihr Beruf einfach nicht mehr rechnet, dann verlieren wir Frauen etwas Existenzielles. Das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt, den Glauben an unsere weibliche Macht, Leben zu schenken und einen guten Start für das Leben unserer Kinder. Weder Ärzte noch unsere Männer werden uns darin bestärken unsere eigenen Kräfte zu entdecken, man bedenke die Risiken und damit meine ich nicht nur die medizinischen. Man kann nach einer Geburt verwundet zurückbleiben oder gestärkt daraus hervorgehen. Oft macht die Hebamme den Unterschied. Hebammen machen uns Frauen stark, sie kämpfen für uns, wenn unsere Männer damit überfordert sind und sie bewahren uns davor, in den medizinischen Apparat zu geraten, wenn es nicht nötig ist. Sie machen sich für uns unbeliebt. Sie bestärken uns in unserer Weiblichkeit, sie wissen, was für uns auf dem Spiel steht. Sie führen und fordern uns und sie lassen es uns schaffen. Sie behalten den Überblick und tragen einen Teil der Verantwortung. Sie bewahren uns vor Irrwegen. Sie wissen um die spirituelle Dimension. Sie werden aber auch niemals (im Gegensatz zu mancher Mutter oder manchem Vater) den eigenen Ehrgeiz über das Wohl von Mutter und Kind stellen.

Sie machen sich für uns und unsere Kinder oder Enkelkinder stark.

Die Hebammen haben unser alles Unterstützung verdient.

https://www.change.org/de/Petitionen/lieber-herr-gr%C3%B6he-retten-sie-unsere-hebammen.

Wer nicht unterschreibt, braucht sich hier nicht mehr blicken zu lassen (tut mir leid, aber das ist nicht der Zeitpunkt für Höflichkeiten).

 

2 Gedanken zu „Das geht uns alle an…eine Liebeserklärung an die Hebamme

  1. Danke Julia, freue mich wirklich riesig, dass ich bei dir in so guter Erinnerung geblieben bin. Für mich als Hebamme ist es das schönste Geschenk den Frauen eine selbst bestimmte Geburt zu ermöglichen. Ich war wirklich sehr gerührt über diese schöne Liebeserklärung an alle Hebammen und vor allem an mich. Liebe Grüße Ursula

  2. Liebe Julia,

    du sprichst mir wieder einmal aus meiner seele und JAAAAA… ich habe unterschrieben (und nicht nur damit ich mich bei dir und deiner hp blicken lassen kann:-) DANKE für DICH, deine tief gehenden worte, deine kreativität, deine offenheit und deinen tipp für eine der besten hebammen die ich kenne :-) glg birgit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.