Ameisenbekämpfung – Mental statt Menthol

„Ameisen sind pflegeleicht, können platzsparend gehalten werden und machen weder Lärm noch Dreck. Sie sind eigentlich die idealen Haustiere.“ So jedenfalls meint Martin Sebesta, der den weltweit größten Ameisen-Onlinehandel betreibt. Und in der Tat denke ich auch, dass Ameisen einfach grandiose Tiere sind, wenn ich vor einem ihrer riesenhaften Bauten stehe….IM WALD….da, wo sie meiner Meinung nach hingehören.

Ameisen gehören nicht in Häuser und schon gar nicht in Wohnungen im zweiten Stock, wo man sich vor -vermeindlich- erdnahem Getier sicher fühlt. Aber Ameisen sind in Florida einfach ÜBERALL. Es gibt unzählige Arten. In unserer Wohnung gibt es unzählige Arten. Es gibt die ganz kleinen. Sie sind so klein, dass ich die Brille aufsetzen muss, um überhaupt zu erkennen, dass es sich um eine Ameise handelt. Sie huschen über Bücher und Computertastaturen und stürzen sich auf das Zuckerkörnchen, das neben die Tasse gefallen ist. Die drei Brösler in unserer Familie können ganze Völker ernähren. Falls wir die Ameisen für irgendwen da oben sind, dann sollte der uns mal nicht nur beobachten, sondern auch auf manche Teile der Welt ein bisschen herunter bröseln.

Es gibt mittlere Ameisen und große Ameisen. Gut, von den großen gab es erst fünf. Aber der Gedanke, „Ach das ist ja nur eine kleine Ameise, die hat sich wohl verlaufen, die Arme“, der ist nicht der Ausdruck von Tierliebe, der ist ein Anfängerfehler. Den habe ich jedenfalls bei den großen Ameisen nicht mehr gemacht. Das ist keine kleine Ameise, die kopflos in der Gegend herumirrt. Das ist ein gefährlicher Späher feindlicher Truppen und wo die herkommt, da gibt es noch mehr…sehr viel mehr. Es gilt also in jedem Fall den Kundschafter zu eliminieren, bevor er dem Rest den Weg weisen kann. Und das tut er. Die Ameise kennt kein Mitleid. Alle Ameisen der Welt wiegen etwa so viel, wie alle Menschen der Welt. Das ist ein ernstzunehmender Gegner.

Ich würde mich ja auf einen Kompromiss einlassen: „Ich lebe drinnen, Du, Ameise, lebst draußen“. Die Ameisen in meiner Wohnung sind aber von meiner Humanität völlig unbeeindruckt. Kein Wunder lachen sie doch täglich über meine halbherzigen Versuche mein Territorium zu verteidigen. Sie krümmen sich geradezu, ob meiner biologischen „Pillepalle“ mit der ich sie zurückdrängen will. Bisher haben sie jedenfalls weder Spray aus dem Biosupermarkt (das so penetrant nach Pfefferminz stinkt, dass es auch mich aus der Wohnung treibt), Backpulver, Borax, Saft diverser Zitrusfrüchte und der Einsatz von mit Kleberollen bewaffneter Kindersoldaten mehr als ein paar Tage eindämmen können. Es ist ein täglicher Kampf. Den Gegner Aushungern gelingt mir bei allen Bemühungen nicht, weil ich ja mit den „Bröslern“ zusammen lebe.

Gewinne ich einmal eine Schlacht und habe sie aus einem Gebiet vertrieben und verspüre grimmige Freude, tauchen sie an anderer Stelle wieder auf. Klar da gibt es dann auch diese richtig giftigen Sprays…..aber die erscheinen mir im Gegensatz zu den Ameisen wirklich gefährlich. Die Ameisen sind ja nur lästig, eklig vielleicht manchmal, wenn sie sich über vergessenes Essen hermachen. Nur um das klarzustellen, ICH vergesse NIE Essen irgendwo in unserer Wohnung. Also bis auf die Cornflakesbox, die ich unlängst nur „normal“ zugemacht habe. Aber das war dann gar nicht so schlecht. Ameisen in Box, Box in Müll, Müll sofort nach draußen. Die Frage ist ja nur, ob man mit der Methode -genau wie mit diesen Köderboxen- nicht wirklich viele Ameisen anlockt. Wir erinnern uns an die hinterhältige Kundschafterameise. Sie wird wohl nicht in der Box gewesen sein. Das ist ihr sicher nicht erlaubt. Sie muss sofort zurück und alle anderen alarmieren. Die Ameise ist ja das totalitäre Tier überhaupt. Jeder hat seine Aufgabe, keiner tanzt aus der Reihe. Die Ameise ist der Obervereinsmeier. Das ist mir zuwider. Ich bin ein Eigenbrödler. Ich mag nicht im Gleichschritt marschieren, kein Rädchen im Getriebe sein, meine Schritte nicht rechtfertigen müssen.

Was also soll die Ameise in meinem Leben? Was will sie mir sagen? Ich gehe in mich und beschließe die Ameise als Sinnbild zu sehen. Für alle unterschwelligen Lästigkeiten in meinem Leben. Die Dinge, die man so hinnimmt, statt sie zu eliminieren. Die Ameisen werden nie so viele, dass ich meine Unterlegenheit einsehe und die „pest control“ rufe (Das ist hier ganz normal, das macht jeder. Für meine Bedenken hat man hier kein Verständnis).

Das habe ich durchaus öfter in meinem Leben, dass ich Dinge hinnehme, weil sie ja nicht so schlimm sind, weil ich mit einer gewissen Leidensfähigkeit gesegnet/gestraft bin. So kleines Zeug halt. Irgendwann kümmert man sich dann mal ernsthaft um eine dieser Nervereien, repariert irgendwas, räumt was weg, über das man 1 Monat lang gestolpert ist, geht auf die Toilette und so weiter und dann wundert man sich, warum man das jetzt so lange ausgehalten hat. „Ich bin das wert, dass ich alles Unangenehme aus meinem Leben eliminiere.“ Das muss es sein, was die Ameisen mir sagen wollen. Vielen Dank, liebe Ameisen. Wie schön, dass es Euch gibt. Bleibt nur ruhig bei mir und erinnert mich. In Liebe und Dankbarkeit begegne ich der Ameise.

Mal sehen, ob sie den Köder schluckt.

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Ein Gedanke zu „Ameisenbekämpfung – Mental statt Menthol

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